Rückblick | Anlässlich des Jubiläums “25 Jahre Münchener Domorgel”

Anlässlich des Jubiläums “25 Jahre Münchener Domorgel”, das 2019 gefeiert wird, möchte ich auf das Ereignis der Orgelfertigstellung zurückblicken:

An den Vorentwürfen für die Orgel hatten Orgelbaumeister Georg Jann und mein Mann viele Jahre gearbeitet. Lange war mein Mann Orgelsachverständiger der Erzdiözese München/Freising und konnte seine reichen Erfahrungen somit auch hier, für die neue Domorgel einbringen.

Nach unzähligen Besprechungen und Sitzungen mit den zuständigen Gremien des Erzbischöflichen Ordinariats, in denen der Orgelbauer und mein Mann auch Änderungen und Abstriche hinnehmen mussten, kam am 10. April 1994 der Tag der Orgelweihe.

Mehrere 1000 Zuhörer kamen zum ersten Orgelkonzert, in dem Werke aus den wichtigsten Stilepochen zwischen Lully, Frescobaldi, Clerambault, Bach, Liszt, Reger und Messiaen, dazu noch eine freie Improvisation über das Marienlied “Sagt an, wer ist doch diese” zu Gehör gebracht und dadurch gleichzeitig die verschiedensten Klangfarben vorgestellt wurden.

Viele begeisterte Zuhörer teilten meinem Mann ihre Freude mit. Einige Zitate aus Briefen:

„Eben aus Ihrem Konzert zurückgekehrt, möchte ich Ihnen sagen dürfen, welch ein bewegendes Erlebnis es war, Ihnen zuzuhören.“

„Sie haben die neue Orgel so eindringlich und virtuos vorgestellt – in einem Programm, das eine kleine Geschichte der Orgelmusik in sich barg und in einer interpretatorischen Meisterschaft, die die Vielschichtigkeit dieses Instruments aufs vorteilhafteste zeigte.“

Der ehemalige Weihbischof Matthias Defregger schrieb:

„Was wäre unsere Frauenkirche ohne die große majestätische Domorgel, für deren Anschaffung Sie jahrelang sich eingesetzt, ja gekämpft haben? Was wäre die große neue Domorgel ohne ihren Meister, unseren Herrn Professor Lehrndorfer? […] Alles in allem: Sie haben mit Ihrer hohen Kunst die herrlich erneuerte Frauenkirche mit besonderem Glanz und Leben erfüllt; und dazu spreche ich Ihnen meine Bewunderung aus und dafür danke ich Ihnen von Herzen.“

Der Dankesbrief meines Mannes an ihn enthielt allerdings auch seinen Unmut über die nicht in den Griff zu bekommende Akustik:

„Das neue Instrument finde ich hervorragend gelungen. Was diesen an sich so freudigen Anlaß leider erheblich trübt, ist die Tatsache, dass mein Anliegen, Versuche zur Verringerung der viel zu großen Nachhallzeit vorzunehmen, überhaupt nicht ernst genommen wurde. Es macht einfach für mich keinen Sinn, wenn nur ‚Fachleute‘, die vermutlich relativ selten im Dom sind, allein über dieses so wichtige Problem befinden und Aussagen des Organisten, der die akustischen Verhältnisse in allen Situationen kennt, ignoriert werden.“

Er hatte damals einige Vorschläge zur Lösung dieses Problems vorgebracht.

Es folgten nun die Nachfragen nach Orgelvorführungen, kleineren Konzerten für Gruppen und Domorgelbesichtigungen in großer Zahl. Für alle nahm sich mein Mann gerne die dafür notwendigen Freiräume.

Ich wünsche mir, dass der Klang der Domorgel auch weiterhin viele Zuhörer begeistern möge.

Inge Lehrndorfer

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