Franz Lehrndorfer – LIVE / Vol. 12

Orgelimprovisationen

“Passion – Ostern – Pfingsten”  2

Erhältlich bei Musikverlag Dr. J. Butz

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Ostern ist das Fest der Christen schlechthin und beinhaltet den Kern des Glaubens. Die Jünger Jesu als Zeugen der Auferstehung konnten nicht anders, als das Gedächtnis an dieses alles verändernde Ereignis festzuhalten. Schon sehr früh, etwa im 2. Jahrhundert kannte man ein jährlich wiederkehrendes Osterfest. Was nun Ostern für das Jahr war, wurde der Sonntag für die Woche. Schließlich ist jede tägliche Eucharistiefeier Gedächtnis von Tod und Auferstehung Jesu Christi. Wesentlich späteren Ursprungs ist demgegenüber das Weihnachtsfest, welches im 4. Jahrhundert im Zuge theologischer Überlegungen über die wahre göttliche und wahre menschliche Natur Jesu Christi sich durchsetzte.

In der bildenden Kunst sehen wir auf den Darstellungen um Geburt, Krippe und Stall häufig auf Instrumenten musizierende Putti und den hoch oben jubelnd schwebenden Chor der Engelein mit Spruchbanderolen „Gloria in excelsis“ oder „Puer natus est“. Osterdarstellungen verzichten zumeist auf solch musikalisches Beiwerk.

Und in der Kirchenmusik verhält es sich geradezu analog: Das Reservoir an kirchenmusikalischem Repertoire zum Weihnachtsfestkreis fällt durchaus umfangreicher aus, als jenes des Osterfestkreises, obwohl letzterer mit seiner 40-tägigen Vorbereitungszeit (Quadragesima, Fasten- und Passionszeit) und seinem 50-tägigen Nachklang bis zum Pfingstfest (Pentecoste) die weitaus längste geprägte Zeit des Kirchenjahres ausmacht.

So kennen wir Franz Lehrndorfer zunächst auch als den Improvisator über Weihnachtslieder durch die legendäre Calig-Vinylschallplatte von 1969 und aus seinen ebenso „kultigen“ Adventskonzerten an den Dienstagabenden im Münchner Dom. Dass er sich improvisatorisch natürlich auch mit der Thematik „Passion, Tod, Auferstehung und Geistsendung“ auseinandersetzte, legt allein schon das Amt des Domorganisten nahe. Naturgemäß spricht diese Musik eine andere Sprache, als jene pastoralen Wohlbehagens. Sie ist dramatischer, herber, impulsiver.

Sämtliche Improvisationen sind Mitschnitte von Konzerten aus dem großen Zeitraum von 1977 bis 1992 und bilden jeweils den Programmabschluss. Eine Kontinuität des „Lehrndorfer-Stiles“ ist eindeutig gegeben. Alle Improvisationen sind cantus firmus-bezogen auf ein deutsches Kirchenlied oder ein gregorianisches Thema („Osternachtshalleluja“, „Ite missa est, Halleluja“). Ihre Dauer beträgt rund eine Viertelstunde. Nach einmal grüblerischer, düster schleichender, verschlungener, einmal jubelnder, stürmischer, ekstatischer Introduktion folgen in der Regel mehrere, sehr erfinderische Variationen, die durch Überleitungen nach Regerscher Choralfantasie-Manier ineinandergreifen und aus sich herauswachsen. Die Variationen nehmen die ganze Bandbreite ein von meditativer, rhapsodischer bis zu agitatorischer, höchst virtuoser Variationstechnik. Mal sind es komplette strophenweise Durchführungen, mal nur Episoden und Ausbrüche, mal ein cantus firmus-ähnliches Bachzitat aus dem „Magnificat“ („Quia fecit mihi magna“). Die sehr farbigen, zumal auch obertonreichen Registrierungen gehen dabei sehr individuell auf die jeweilige Orgel ein. Gerne belebt ein Tremulant den Orgelklang. Den Abschluss bildet meist eine Fuge nach allen Regeln der Kunst, fast immer mündend in einen hymnischen Schlusschoral in kühner Harmonisierung.

Bedenkt man, dass den Improvisationen jeweils ein ausgewachsenes Literaturprogramm vorausgegangen ist, das durchaus Ressourcen zehrte, so erkennen wir umso mehr die große Meisterschaft Lehrndorfers, der mit seinen Improvisationen die Konzerte nicht nur abschloss, sondern bekrönte, oder neudeutsch ausgedrückt „toppte“. Für die Miterlebenden bedeutete das stets ein immenses musikalisches wie gleichermaßen spirituelles Ereignis.

Seiner Witwe Inge Lehrndorfer sei gedankt, dass sie uns in der Veröffentlichung dieser Aufnahmen dies nacherleben lässt.

Hans Leitner